FULLEWASSER

Tim-Philipp Brandner: Rückkehr trotz Krankheit

Während die 1. Mannschaft des KSV Hessen am vergangenen Donnerstag in Stuttgart um die letzten Punkte in diesem Jahr kämpfte, musste Tim-Philipp Brandner wieder von zuhause aus die Daumen drücken.

Warum der Verteidiger in dieser Saison so wenig für die Löwen zum Einsatz kam und wie es für ihn weiter geht…

 

5. November 2017, 15:00 Uhr: Die Mannschaften kommen zurück aus den Katakomben des Auestadions, die zweite Halbzeit der Regionalligapartie KSV Hessen Kassel gegen TuS Koblenz beginnt. Nicht mit aus der Kabine kommt Tim-Philipp Brandner, der trotz einer guten Leistung im ersten Durchgang zur Pause ausgewechselt wird. Es wird vorerst sein letzter Einsatz für die Löwen gewesen sein, denn was viele nicht wissen ist, dass Brandner zu diesem Zeitpunkt bereits seit Monaten einem riesigen Leidensdruck ausgesetzt war und nur noch mit großen Schmerzen spielen konnten.

 

Ende September das erste Spiel: Brandner im Duell mit dem Elversberger Florian Bichler

Begonnen hat alles Mitte Juni dieses Jahres. Trotz der spielfreien Zeit versucht der 26-Jährige sich weiterhin mit Sport fitzuhalten. Richtig gut fühlte er sich dabei allerdings nicht, irgendetwas stimmte nicht. Der Rücken schmerzte, doch Brandner dachte zunächst nur an einfache Muskelverspannungen. Dass es viel mehr als das sein würde, wurde im Jahresurlaub in Abu Dhabi klar. Brandner wachte mitten in der Nacht durch so starke Schmerzen auf, dass er sich kaum noch bewegen konnte. Nicht einmal das Aufstehen war alleine möglich.

Zurück aus dem Urlaub konsultierte der Verteidiger die Mannschaftsärzte, zumal sich die Schmerzen weiter vom Rücken in die Knie sowie die Hand- und Fußgelenke ausgedehnt hatten. Das Blut wurde überprüft, mehrere MRT gemacht, doch alle Untersuchungen blieben zunächst ohne Befund. Auch ein Psychiater wurde hinzugezogen, schließlich konnte auch eine psychosomatische Belastung die Ursache für die Schmerzen sein. Erste Behandlungsversuche zeigten keinen Erfolg, Brandners Zustand verbesserte sich nicht, der Grund für das Leiden, welches besonders morgens oft unerträglich war, blieb weiterhin unklar.

An Fußball war zu dieser Zeit nicht zu denken. Der Abwehrspieler verpasste nahezu die komplette Vorbereitung, war in den ersten Ligaspielen nicht im Kader. Einzig und allein Schmerzmittel verschafften kurzzeitig ein wenig Linderung, konnten das gesundheitliche Problem aber nicht lösen, welches die Ärzte weiterhin vor ein Rätsel stellte.

Hilfe bei der Suche nach der Ursache für die Schmerzen kam dann aus der eigenen Familie. Brandners Mutter lies das Leiden ihres Sohnes keine Ruhe. Sie setzte sich intensiv mit der Thematik auseinander und kam schließlich auf Rheuma als möglichen Auslöser für die Qualen. Allerdings war das Blut bereits untersucht worden und hatte keine Auffälligkeiten gezeigt. Da es aber viele verschiedene Ausprägungen von Rheuma gibt und nicht alle Formen sich durch Entzündungswerte im Blut bemerkbar machten, vereinbarte Brandners engagierte Mutter einen Termin im Rheumazentrum Mittelhessen in Bad Endbach. Dort wurde der 26-Jährige von Katrin Storck-Müller untersucht, welche aufgrund der Schmerzsymptomatik und den im Ultraschall sichtbaren Gelenkschwellungen die Vermutung Rheuma bestätigte. Endlich gab es eine Diagnose und einen darauf abgestimmten Behandlungsplan, der nunmehr wöchentliche Spritzen vorsieht.

Ein gewohntes Bild in den letzten Wochen: Statt auf dem Platz sieht man Brandner nur auf der Tribüne.

Durch die hervorragende Aufnahme im Rheumazentrum und die kompetente Betreuung der Ärztin hoffte Brandner, der von Natur aus ein ungeduldiger Mensch ist, schnell wieder Fußball spielen zu können. An einigen Tagen ging es ihm gut, an anderen weniger. Trotzdem stieg er wieder ins Training ein und kam beim Spiel gegen Elversberg Ende September zu seinem ersten Saisoneinsatz. Im Nachhinein eine viel zu frühe Rückkehr. Denn obwohl die Diagnose feststand und die Behandlung begonnen hatte, blieben immer noch Schmerzen, welche der Verteidiger durch zusätzliche Spritzen vor den Spielen zu unterdrücken versuchte. Dass dies allerdings keine dauerhafte Lösung war, machten die KSV-Mannschaftsärzte schnell deutlich und auch Brandner erkannte bei der Partie gegen Koblenz, dass es so nicht weitergehen konnte. Neben dem Rheumazentrum Mittelhessen, suchte er deshalb das Projekt Gesundheit in Treysa auf. Dort wurde ein Zellcheck durchgeführt, der sofort katastrophale Werte offenbarte. Die Basis für erfolgreichen Leistungssport fehlte dem KSV-Spieler somit komplett. Leo Brizzi, Leiter des Projekts Gesundheit, verschrieb daraufhin Präparate, die Brandner nun seit gut einem Monat nimmt.

Brandner beim individuellen Training im Dezember

Aufgrund der hervorragenden Hilfe in beiden Einrichtungen befindet sich der 26-Jährige nun auf dem Weg der Besserung. Mittlerweile konnte er sogar schon mit dem Aufbautraining beginnen, um die Leistungsfähigkeit wiederaufzubauen. Neben individueller Arbeit im Kraft- und Ausdauerbereich wird er dabei von Physiotherapeut Tobias Bredow unterstützt, sodass bereits erste koordinative Übungen mit Ball auf dem Platz möglich waren.

Brandner muss sich allerdings weiter in Geduld üben, darf nichts überstürzen und muss lernen, auf seinen Körper zu hören und Signale wahrzunehmen, schließlich ist Gesundheit das höchste Gut. Weiterhin stehen wöchentliche Spritzen an, die ihre gesamte Wirksamkeit nach circa einem halben bis einem Jahr entfalten sowie regelmäßige Kontrolle im Rheumazentrum und der monatliche Check beim Projekt Gesundheit. Doch der aktuelle Weg stimmt ihn zuversichtlich, vielleicht ist der Einstieg ins Mannschaftstraining in der Vorbereitung möglich. Helfen wird ihm dabei nicht nur die Unterstützung seiner Familie, sondern auch die der Mannschaft, auf welche Brandner während der gesamten Zeit zählen konnte.

 

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